Bleib nicht reglos am Wegrand stehen
gefrier deine Freude nicht ein
liebe nicht lustlos
Rette dich nicht
Nicht jetzt und nie
Rette dich nicht
beruhige dich nicht
Behalt von der Welt
nicht nur einen stillen Winkel
Senk nicht die Lieder
schwer wie Urteilssprüche
Bleib nicht lippenlos
Schlaf nicht traumlos
Glaub dich nicht blutlos
Wähn dich nicht zeitlos
Aber wenn es trotzdem sein muß
Und du deine Freude einfrierst
und lustlos liebst
dich rettest und beruhigst
und von der Welt
nur einen stillen Winkel behältst
Und die Lider senkst
schwer wie Urteilssprüche
und lippenlos verdorrst
und traumlos schläfst
und dich blutlos glaubst
und dich zeitlos wähnst
und reglos am Wegrand
stehen bleibst
und dich rettest
dann
Bleib nicht bei mir.
Er sah, wie sie ihre Nase putzte und erkannte hinter sich die Stimme wieder, die ihm vor ein paar Tagen den Zutritt ins Kino verweigert hatte. Als Grund hatte die Stimme den Jugendschutz genannt, er vermutete dass in Wahrheit, die, die gerade ihre Nase putzte, der Grund gewesen war. Die Stimme hatte ihm und ihr, die immer noch die Nase putzte (oder sagt man schnäuzte, oder was sagt man wenn man geschnäuzt hat und immer noch mit dem Taschentuch ..ja: putzt?) das Kino deswegen verweigert, weil sie (das Nasenmädchen) zu hübsch für die Unglücklichkeit einer Stimme war, die im Kino Karten abriss oder das Abreißen verweigerte.
Hartz Empfänger sollen kein Lotto mehr spielen. Wie vernünftig, es weiß ja jeder, dass die Chancen auf einen Gewinn so gering sind und dass nur der Staat, als Lottoanbieter, davon profitiert. Da ist es ja fast schon eine schizophrene Fürsorge, dass eben der Staat seine Hartz4 Empfänger davon abhält Dummheiten zu machen.( Man kann es auch Heuchelei nennen).Aber man meint es ja nur gut mit den Bürgern, wenn sie bevormundet werden. Denn die Bürger sind letztlich kleine, dumme Kinder, die man vor sich selbst schützen muss. Deswegen nimmt man ihnen die Entscheidung ab ob sie in Kneipen rauchen wollen oder nicht, ob sie Glühbirnen oder Energiesparlampen kaufen oder eben ob sie als Hartz 4 Empfänger Lotto spielen oder nicht. Wieso erlaubt man den Menschen eigentlich noch, dass sie selbst entscheiden ob sie Kinder in die Welt setzen oder ob sie Süßigkeiten essen. Es gibt soviele Dinge, die man als freier Mensch falsch machen kann, so viele Dummheiten, wie gut, wenn es da den großen Bruder-Staat gibt, der uns die Risiken der Freiheit abnimmt indem er uns einfach keine Wahl lässt sondern die einzig vernünftige Option vorschreibt. Die sanfte Diktatur des Wohlemeinens ist, auch wenn sie sanft und auch wenn sie wohlmeinend ist, letztlich eine Diktatur.
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Biederrepublik Deutschland
Moral und Politik im Allgemeinen und in Deutschland im speziellen. Auf der einen Seite ein Land, das lukrative Geschäfte mit (das ist leider buchstäblich so) blutrünstigen Diktatoren, wie Gaddafi betreibt und auf der anderen Seite die veröffentlichte Aufregung über den unrechtmässigen Doktortitel eines beliebten Ministers. Der Unterschied zwischen den individuellen moralischen Ansprüchen und der allgemeinen Gleichgültigkeit gegenüber dem Nutznießen durch lukrative Beziehungen zu Tyrannen ist widersprüchlich und zugleich typisch für Deutschland und dessen Meinungsmacher. Ein Land in dem man sich bis in die sechziger Jahre hinein moralisch über blanke Brüste empörte, während der millionenfache, alle Moral vergewaltigende Massenmord gerade ein, zwei Jahrzehnte zurücklag. Es ist diese krasse Mischung aus bieder-eifernder Rechtschaffenheit im Kleinen und latenter aber profitabler Amoral im Kollektiv, die Deutschland immer wieder als ebenso spießig wie heuchlerisch entlarvt.
Herr Kasupke- ist das fiktive Tagebuch eines tauglichen Herren und seiner drei Haremsdamen Mick, Mack und Möck. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig, dem Verfasser liegt jede Art von Chauvinismus fern.
Herr Kasupke- Wie alles anfing.
Neue Epoche bricht an, gestern nacht setzte der Flieger auf der heimischen Landebahn sanft wie ein Babypopo auf. Aus ihm heraus stiegen meine Wenigkeit und meine drei liebenswerten, neuen…ja, wie soll man sie nennen ? Ehefrauen, klingt amtlicher als ihr Status in Wahrheit ist, Mitbewohnerinnen wäre eine Untertreibung, Gespielinnen klingt schmutzig und Schmutz mag ich nicht. Der eleganteste Ausdruck, der gleichzeitig von großer Lebenskunst zeugt, ist wohl: Haremsdamen oder vielleicht doch Sklavinnen? Denn als eben erwähnter Flieger um 15:00 Uhr Ortszeit, das von mir so hochgelobte asiatische Gastland verlies, war meine Wenigkeit nicht mehr einsam, der Grund oder die Gründe saßen links und rechts und rechts hinter mir, lächelten neugierig aus den Fenstern und hin zum Bordfernseher, auf dem eine romantische Komödie (das drohte jedenfalls die Inhaltsangabe an) flimmerte. Diesem Flug waren Wochen der strengen Selbstprüfung vorausgegangen.Tage des Zweifels, der Hoffnung und der Diaröh . Machte nicht wenigen Damen die Aufwartung und nicht wenige Damen wären nur zu gerne meine neue Gefährtin geworden. Auf jeden Topf passt ein Deckel, sagt der vorlaute Volksmund und vergisst dabei, dass es viele Deckel gibt, die passen. Bin seit jeher ein gutmütiger aber auch großzügiger Mann, der anderen Menschen (von unsäglichen Nachbarn abgesehen, davon ein andermal mehr) kaum einen milden Wunsch abschlagen oder ihnen Gutes vorenthalten kann. Zu guter letzt standen drei hoffnungsvolle Damen in der Endrunde, und was andere Entscheidungsschwäche oder Maßlosigkeit nennen, nennt meine Wendigkeit gerne gründliche Würdigung des Vorhandenen und verschwenderischen Großmut. Kurzum, konnte mich nicht zwischen den drei Bellissimas entscheiden und nach ausführlichem Gespräch ( etwas einseitig, zugegeben, aber ausführlich) mit ihnen, ihren Verwandten und einem einfallsreichen Advokaten, wurde beschlossen jeder der drei den Aufenthalt in meinem Anwesen ( manche würden Bungalow dazu sagen) zu ermöglichen. Sodan große Freude allenthalben (mit allenthalben sind ausdrücklich auch die Verwandten der drei Perlen gemeint) und ruck-zuck waren wir auf dem Weg nach hause. Verzichtete der Einfachheit halber darauf, die ursprünglichen Namen meiner drei Perlen mit auf die große und verheissungsvolle Reise zu nehmen, verlieh ihnen statt ihrer alten, verbrauchten und radebrechenden Namen liebevoll neue Namen. Sie lauteten : Mick, Mack und Möck. Von ihnen und mir, und allem anderen, oder zumindest allem wichtigen, berichtet dieses Tagebuch.
